Buch zu Film – die Bücherdiebin

bücherdiebin

Letzten Sonntag war ich im CineStar CUBIX am Alexanderplatz im Film Die Bücherdiebin, den ich schon lange, lange erwartet habe. Während der Film in den USA bereits im November 2013 in die Startlöcher ging, kann man ihn hier in Deutschland erst seit dem 13. März 2014 in den Kinos sehen – eigentlich schade, da die Handlung komplett in Deutschland ihren Platz nimmt und in dem Film (sowie natürlich auch in dem Buch) eine wichtige und zugleich tragische Zeit der deutschen Geschichte zum Thema wird. Buchfans ist die grobe Handlung der Bücherdiebin von Markus Zusak sicherlich kein Geheimnis mehr.

Ich selbst halte sehr viel von der Geschichte rund um die neunjährige Liesel Memminger, die zu ihrer Pflegefamilie in die Himmelstraße zieht. Meine Rezension zu dem Roman gibt es hier zu lesen – vor dem Film spukten mir einige Gedanken durch den Kopf. Und natürlich auch Sorgen. Ich muss zugeben: An der Bücherdiebin hängt ein Stück von meinem Herz, sie ist ein literarisches Meisterwerk für mich und Verfilmungen von Büchern sehe ich ohnehin immer mit gemischten Gefühlen entgegen. Da hat man einfach schon zu viel schlechtes gesehen. Irgendwann lernt man, Buch und Film separat voneinander zu betrachten, jedes als ein eigenes Werk, das man vielleicht nicht zu sehr miteinander vergleichen sollte. Dennoch habe ich mich mal daran gesetzt und mein kleines Fazit geschrieben.

Die Besetzung
Ich fange einfach mal mit der Besetzung an. Sophie Nélisse übernimmt die Rolle von Liesel, Geoffrey Rush und Emily Watson stellen die Hubermanns dar, Liesels Pflegeeltern. Rudi Steiner wird von Nico Liersch verkörpert, der Jude Max von Ben Schnetzer – an dieser Stelle ist nun nur die Hauptbesetzung genannt. Großes zu sagen habe ich an dieser Stelle eigentlich nicht. An Sophie Nélisse als Liesel hatte ich bis zum Film einige Zweifel: Ich hatte mir Liesel zierliche vorgestellt, schmutziger. Doch die erst Dreizehnjährige überzeugt im Film durch eine wirklich grandiose schauspielerische Leistung, die ich von Kindern in diesem Maße wirklich noch nie gesehen habe. Zwar entspricht sie äußerlich nach wie vor nicht meinem Bild von Liesel, doch ihre Darbietung hat mich wirklich begeistert. Das Gleich möchte ich von Nico Liersch sagen – ein wirklich herzlicher junge, der meine Vorstellung von Rudi Steiner schon auf den ersten Bildern sehr gut getroffen hat. Andere Rollen habe ich auf der Kinoleinwand nicht einmal hinterfragen können, die Schauspieler haben sich meinen Gedanken und Vorstellungen sehr gut angepasst. Sehr schön übrigens auch die Zusammensetzung aus deutschem und amerikanischem Cast.

Abstriche im Inhalt
Zum inhaltlichen – schade, dass hier verhältnismäßig sehr viel weichen musste und viele Handlungsstränge komplett ignoriert oder gekürzt wurden, was der Geschichte an sich zwar keinen Abbruch tut, einen als Leser und Fan doch sehr stört. Teils war ich mir nicht sicher, ob man wirklich alle Inhalte versteht, sollte man das Buch nicht gelesen haben, jedoch sollte ein wenig Kenntnis über die Zeit des Nationalsozialismus dies wieder wettgemacht haben. Die Kürzungen waren jedoch meiner Meinung nach verständlich, denn der Roman ist sehr, sehr umfangreich und die Zeit auf der Leinwand schließlich nur begrenzt. Übrigens: Im Trailer des Films kommen Szene vor, die der Zuschauer im Kino nicht zu sehen bekommt. Hier darf man also auf weiteres Material auf der DVD hoffen.

Immer diese Kleinigkeiten!
Hin und wieder begegnete ich einigen kleinen Unstimmigkeiten, die hauptsächlich damit zu tun hatten, dass der Film eine amerikanische Produktion ist, jedoch in Deutschland seinen Schauplatz hat: Bücher, die Liesel in die Hand nimmt, haben grundsätzlich einen deutschen Titel, ebenso wie Propaganda auf den Straßen. Geschriebenes, so wie Briefe, einzelne Wörter in Liesels Wörterbuch oder auch Textausschnitte aus Büchern werden jedoch in englischer Sprache dargestellt. Ein kleiner roter Faden hätte dem Film in dieser Hinsicht durchaus gut getan. Es war vielleicht nicht störend, jedoch wirklich auffällig. Eine weitere Kleinigkeit ist die Umsetzung des Todes als Erzähler: Ich war der Meinung, dass dieser Punkt vielleicht ausgelassen werden würde, aber das wurde er nicht. Sehr positiv! Meines Ermessens nach hätte der gute Herr sich jedoch öfter zu Wort melden können, denn dies hat er im Buch schließlich auch sehr oft getan. Aber gut, das ist ja Geschmackssache!

Das Beste kommt zum Schluss – die Emotionen
Die Bücherdiebin von Markus Zusak ist ein wahrlich emotionales Buch, das einem zum lachen bringt, zum weinen zwingt und den Leser so unglaublich berührt, dass ich mir nicht vorstellen konnte, dass der Film das Gleiche schaffen würde – aber doch, er hat es geschafft. Und dafür war ich wirklich dankbar. Ich wollte nicht aus dem Kino gehen und denken, dass wieder einmal ein Stück gute Literatur in den Sand gesetzt wurde. Und das bin ich auch nicht. Trotz der kleinen Mankos war der Film wirklich grandios und auch, wenn ich das Buch jederzeit vorziehen würde, bin ich froh, nicht enttäuscht worden zu sein.

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